Rotkehlchen

Aus dem Nest geplaudert

Nun wird es Zeit das ich mich auch einmal wieder melde. Aber auch bei mir vor dem Nest war der Winterdienst nicht besser, als sicher auch bei Euch, ich war eingeschneit. Nachdem ich mich nun durch eigene Kraft wieder freigeschaufelt habe, stehe ich nun wieder voll und ganz zur Verfügung und habe natürlich gleich einiges zu zwitschern. Nein- nicht über den Winterdienst- denn den gibt es nicht, oder doch? Sachdienliche Hinweise bitte an mein Nest versenden!

Die Diäten im Bundestag sind wieder einmal gestiegen, na ja unsere „teuren Politiker", und in diesem Zusammenhang fiel mir ein altes indianisches Sprichwort ein:

„Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab."

Aber die Politiker machen es etwas anders, wie ich neulich las:

„Sie wechseln die ReiterInnen.

Sie besorgen eine stärkere Peitsche.

Sie gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.

Sie machen einen Qualifizierungskurs über die Ernährung von Pferden.

Sie verfassen eine Vergleichsstudie über andere tote Pferde.

Sie schirren mehrere tote Pferde zusammen, damit sie schneller werden.

Sie holen externe Expertisen über das Reiten toter Pferde ein.

Sie verbessern die Öffentlichkeitsarbeit und sagen – Das Pferd ist qicklebendig.

Sie sagen - Andere Pferde sind noch viel toter

Sie werben Leute von außen an, die das tote Pferd reiten sollen

Sie sagen – So haben wir das Pferd doch immer geritten.

Sie können nicht absteigen, weil sie vom Pferd leben und Familie haben."

Ich finde diese Analyse gar nicht mal so schlecht und wollte sie Euch daher nicht vorenthalten. Es kann sich nun jeder selbst ein Urteil bilden....

Tschüs bis zum nächsten Mal

Rotkehlchen sind scheinbar wahre Rechenkünstler. Sie kennen offenbar die Formel "Geteiltes Leid ist halbes Leid" und erweitern sie auf "Durch 35 geteiltes Leid dürfte noch besser zu ertragen sein".
So hocken denn die Rotkehlchen-Leidensgenossen oft recht zahlreich zusammen. Männchen, die kein Revier und damit auch kein Weibchen abbekommen haben, übernachten häufig in Gruppen. Einmal wurden in einem Busch 35 gescheiterte Bräutigame auf einen Haufen entdeckt.

Doch auch, wenn ein Junggeselle ein Weibchen findet, ist er noch lange nicht alle Sorgen los. Meist muss sich ein Paar richtig zusammenraufen, bis schließlich erfolgreich die Vogelkinder großgezogen sind. Zu deren Wohl vollbringen die Eltern dann manchmal eine unglaubliche Jagdleistung, die aussieht, als hätten sie bei einer anderen Vogelart abgeguckt.

Dass die Liebe der Rotkehlchen oft schwer in Gang kommt, liegt daran, dass diese "Gartenzwerge" sehr ortstreu sind. Ein Weibchen fühlt sich in einem bestimmten Gebiet zu Hause und bleibt auch dort. Es vermählt sich nur mit dem Männchen, das zufällig ebenfalls dort ansässig ist.

Paare werden also vom Zufall zusammengeführt und daher auch vom Zufall überrascht, denn das Männchen erschrickt meist, wenn es zum ersten Mal ein Weibchen in seinem Revier sieht. Oft hüpft es tagelang vor ihm davon. Der Grund: Weibchen und Männchen sehen gleich aus, deshalb weiß das verwirrte Männchen nicht, ob es sich vielleicht um einen Rivalen handelt.

Entscheidend ist dabei die rote Kehle. Andere rote Dinge werden angegriffen, denn sie wirken wie ein rotes Tuch auf diesen kleinen "Stier des Unterholzes" (echte Stiere sind hingegen farbenblind). Allerdings werden die Rotkehlchen nur durch ihr eigenes Original-Orangerot zur Raserei gebracht. Karminrot interessiert sie nicht.
Auch menschliche Rotkehlchen müssen sich vorsehen. Ausgerechnet der britische Rotkehlchen-Forscher Mead war so ein "Rotkehlchen", denn er hatte einen orangeroten Bart und wurde wie ein Gesangs-Rivale attackiert.
Hat sich das Männchen dann an das weibliche Orange gewöhnt, so lebt das Paar zunächst gleichgültig nebeneinander her. Das ändert sich jedoch, wenn die Zeit des Nestbaus kommt. Dann stellt das Weibchen das Männchen auf die Probe. Es äußert den Bettelruf und guckt, ob das Männchen auch ankommt und Nahrung herbeibringt.

Sogar wenn das Weibchen mitten in einer vollen Futterschale steht, kann es um Futter betteln. Der Test ist wichtig, denn wenn es später zum Brüten auf dem Nest sitzt, muss das Männchen die Versorgung übernehmen.
Den Nestbau erledigt das Weibchen allein. Manchmal kommt es mit soviel Nistmaterial im Schnabel an, dass es selbst dahinter kaum zu sehen ist. Allerdings soll auch schon mal ein Männchen dabei beobachtet worden sein, wie es Nistmaterial in den Schnabel nahm. Doch ebenso schnell, wie dem erstaunten Vogelexperten der Kiefer herunterklappte, ließ das Männchen die "Frauensachen" auch wieder aus dem Schnabel fallen.

Aber insgesamt hält das Paar gut zusammen. So hilft das Männchen später auch bei der Reinhaltung des Nestes. Die Kotballen des Nachwuchses werden von beiden Eltern weit weggetragen. Oft werden sie sogar in ein fremdes Revier geworfen. Bei der Nahrungssuche gibt es manchmal ein seltsames Ereignis. Der kleine Insektenjäger stürzt sich nicht nur wie ein Eisvogel in einen Bach, sondern fängt dabei wie dieser auch noch ein Fischlein.

(Dr. Lutz H. Dröscher)

zurück