|
Rotkehlchen |
![]() |
| Aus dem Nest
geplaudert
Nun wird es Zeit das ich mich auch einmal wieder melde. Aber auch bei mir vor dem Nest war der Winterdienst nicht besser, als sicher auch bei Euch, ich war eingeschneit. Nachdem ich mich nun durch eigene Kraft wieder freigeschaufelt habe, stehe ich nun wieder voll und ganz zur Verfügung und habe natürlich gleich einiges zu zwitschern. Nein- nicht über den Winterdienst- denn den gibt es nicht, oder doch? Sachdienliche Hinweise bitte an mein Nest versenden! Die Diäten im Bundestag sind wieder einmal gestiegen, na ja unsere „teuren Politiker", und in diesem Zusammenhang fiel mir ein altes indianisches Sprichwort ein:
Aber die Politiker machen es etwas anders, wie ich neulich las:
Ich finde diese Analyse gar nicht mal so schlecht und wollte sie Euch daher nicht vorenthalten. Es kann sich nun jeder selbst ein Urteil bilden.... Tschüs bis zum nächsten Mal |
Rotkehlchen sind scheinbar wahre Rechenkünstler. Sie kennen offenbar die
Formel "Geteiltes Leid ist halbes Leid" und erweitern sie auf
"Durch 35 geteiltes Leid dürfte noch besser zu ertragen sein".
So hocken denn die Rotkehlchen-Leidensgenossen oft recht zahlreich zusammen.
Männchen, die kein Revier und damit auch kein Weibchen abbekommen haben,
übernachten häufig in Gruppen. Einmal wurden in einem Busch 35 gescheiterte
Bräutigame auf einen Haufen entdeckt.
Doch auch, wenn ein Junggeselle ein Weibchen findet, ist er noch lange nicht
alle Sorgen los. Meist muss sich ein Paar richtig zusammenraufen, bis
schließlich erfolgreich die Vogelkinder großgezogen sind. Zu deren Wohl
vollbringen die Eltern dann manchmal eine unglaubliche Jagdleistung, die
aussieht, als hätten sie bei einer anderen Vogelart abgeguckt.
Dass die Liebe der Rotkehlchen oft schwer in Gang kommt, liegt daran, dass diese
"Gartenzwerge" sehr ortstreu sind. Ein Weibchen fühlt sich in einem
bestimmten Gebiet zu Hause und bleibt auch dort. Es vermählt sich nur mit dem
Männchen, das zufällig ebenfalls dort ansässig ist.
Paare werden also vom Zufall zusammengeführt und daher auch vom Zufall
überrascht, denn das Männchen erschrickt meist, wenn es zum ersten Mal ein
Weibchen in seinem Revier sieht. Oft hüpft es tagelang vor ihm davon. Der
Grund: Weibchen und Männchen sehen gleich aus, deshalb weiß das verwirrte
Männchen nicht, ob es sich vielleicht um einen Rivalen handelt.
Entscheidend ist dabei die rote Kehle. Andere rote Dinge werden angegriffen,
denn sie wirken wie ein rotes Tuch auf diesen kleinen "Stier des
Unterholzes" (echte Stiere sind hingegen farbenblind). Allerdings werden
die Rotkehlchen nur durch ihr eigenes Original-Orangerot zur Raserei gebracht.
Karminrot interessiert sie nicht.
Auch menschliche Rotkehlchen müssen sich vorsehen. Ausgerechnet der britische
Rotkehlchen-Forscher Mead war so ein "Rotkehlchen", denn er hatte
einen orangeroten Bart und wurde wie ein Gesangs-Rivale attackiert.
Hat sich das Männchen dann an das weibliche Orange gewöhnt, so lebt das Paar
zunächst gleichgültig nebeneinander her. Das ändert sich jedoch, wenn die
Zeit des Nestbaus kommt. Dann stellt das Weibchen das Männchen auf die Probe.
Es äußert den Bettelruf und guckt, ob das Männchen auch ankommt und Nahrung
herbeibringt.
Sogar wenn das Weibchen mitten in einer vollen Futterschale steht, kann es um
Futter betteln. Der Test ist wichtig, denn wenn es später zum Brüten auf dem
Nest sitzt, muss das Männchen die Versorgung übernehmen.
Den Nestbau erledigt das Weibchen allein. Manchmal kommt es mit soviel
Nistmaterial im Schnabel an, dass es selbst dahinter kaum zu sehen ist.
Allerdings soll auch schon mal ein Männchen dabei beobachtet worden sein, wie es
Nistmaterial in den Schnabel nahm. Doch ebenso schnell, wie dem erstaunten
Vogelexperten der Kiefer herunterklappte, ließ das Männchen die
"Frauensachen" auch wieder aus dem Schnabel fallen.
Aber insgesamt hält das Paar gut zusammen. So hilft das Männchen später auch
bei der Reinhaltung des Nestes. Die Kotballen des Nachwuchses werden von beiden
Eltern weit weggetragen. Oft werden sie sogar in ein fremdes Revier geworfen.
Bei der Nahrungssuche gibt es manchmal ein seltsames Ereignis. Der kleine
Insektenjäger stürzt sich nicht nur wie ein Eisvogel in einen Bach, sondern
fängt dabei wie dieser auch noch ein Fischlein.
(Dr. Lutz H. Dröscher)